Retter helfen Rettern: Internationaler Einsatz der Seenotretter gemeinsam mit der DLRG in der Ägäis

Gemeinsame Pressekonferenz beider Organisationen am 9. März 2016 in der DGzRS-Zentrale in Bremen

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und weitere nordeuropäische Seenotrettungsgesellschaften beteiligen sich an einem zeitlich befristeten internationalen Einsatz in der Ägäis. Die Seenotretter reagieren damit auf eine konkrete Bitte um Unterstützung des zuständigen griechischen maritimen Such- und Rettungsdienstes (Hellenic Coast Guard). Seit Montag, 7. März 2016, ist der Seenotrettungskreuzer MINDEN in Mytilini/Lesbos einsatzklar. Bereits nach wenigen Stunden kam es zum ersten Einsatz, bei dem 57 Menschen, darunter 20 Kinder, aus Seenot gerettet wurden. Ab 13. März werden zwei der acht Besatzungsmitglieder der MINDEN auf Bitten der DGzRS Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sein. Deren spezielle Wasserrettungsausbildung wird an den griechischen Küsten erforderlich sein.

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Von links: Thomas Baumgärtel, Station Manager der DGzRS in Mytilini/Insel Lesbos; Dr. Detlev Mohr, Vizepräsident der DLRG; Gerhard Harder, Vorsitzer der DGzRS; Martin Cordes, Leiter des Fachgebiets Auslandseinsätze der DLRG

Der Einsatz der MINDEN ist Teil der Initiative „Members assisting Members“ der International Maritime Rescue Federation (IMRF). In ihr sind 125 Seenotrettungs- und Wasserrettungsorganisationen aus 48 Ländern zusammengeschlossen.

Dazu gehören auch DGzRS, DLRG und das Hellenic Rescue Team (HRT). Ziel des IMRF-Einsatzes ist Hilfe zur Selbsthilfe: Die Mitglieder wollen Kapazitäten und Fähigkeiten der über die Grenzen ihrer Ressourcen hinaus tätigen griechischen Kollegen erweitern und das HRT ausbilden. Die Freiwilligenorganisation soll mittelfristig die griechische Küstenwache entlasten. Nach wie vor kommen monatlich einige Tausend Flüchtlinge über das Mittelmeer vom türkischen Festland auf die griechischen Ägäis-Inseln. Die Überfahrt kostete bereits viele Menschen das Leben.

Crew der MINDEN ab 13. März:
je sechs Seenotretter und zwei Rettungsschwimmer

Der Seenotrettungskreuzer MINDEN, den die DGzRS 2014 an einen privaten Eigner verkauft hat, wurde der DGzRS für diesen Einsatz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die MINDEN ist eine Brücke zur nachhaltigen Stärkung der griechischen Seenotretter. Zwei Wachen zu je acht Besatzungsmitgliedern werden den Rund-um-die-Uhr-Betrieb sicherstellen. Die Crew besteht aus fest angestellten und freiwilligen Seenotrettern, verstärkt durch je zwei speziell ausgebildete Rettungsschwimmer der DLRG. Zeitweise ergänzen Mitglieder des Hellenic Rescue Teams die Crew.

Auslöser für die Zusammenarbeit mit der DLRG sind die Erfahrungen schwedischer Seenotretter, die derzeit auf Samos im Einsatz sind. Die Besonderheiten der griechischen Küsten führten in zahlreichen Fällen dazu, dass im Verlauf der Rettungsaktion Rettungsschwimmer eingesetzt werden mussten.

Bis zum Herbst werden zwei 8,5-Meter-Neubauten die MINDEN ablösen. Dazu hat die DGzRS eine erste Projektspende erhalten.

Fünf nordeuropäische Seenotrettungsgesellschaften in der Ägäis im Einsatz

Gemeinsam mit DGzRS und DLRG engagieren sich im Ägäischen Meer die Seenotrettungsgesellschaften Royal National Lifeboat Institution (RNLI, Vereinigtes Königreich & Irland) und Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij (KNRM, Niederlande). Bereits vor Ort im Einsatz sind in unterschiedlichem Maße die Redningsselskapet (RS, Norwegen) und die Svenska Sällskapet för Räddning af Skeppsbrutne (SSRS, Schweden). Die nordeuropäischen Seenotrettungsdienste stimmen ihren Einsatz eng mit der griechischen Küstenwache ab.

Der Einsatz der deutschen Seenotretter wird vom Joint Rescue Coordination Centre (JRCC) Piräus koordiniert. Das Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC) Bremen, die deutsche Seenotleitung der DGzRS, hat mit JRCC Piräus in der Vergangenheit bereits oft professionell und erfolgreich zusammengearbeitet.

In Deutschland haben DLRG und DGzRS grundsätzlich voneinander getrennte Aufgaben: Die DLRG hat sich den Wasserrettungsdienst mit Rettungsschwimmern auf Binnengewässern und an den Stränden der Küste zur Aufgabe gemacht. Die DGzRS wiederum ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst auf Nord- und Ostsee und unterhält dazu Seenotrettungskreuzer und -boote. In den gemeinsamen Ägäis-Einsatz bringen DLRG und DGzRS ihre jeweiligen Fähigkeiten und Erfahrungen ein.

Die Wahrnehmung der Aufgaben von DGzRS und DLRG in Deutschland bleibt vom Ägäis-Einsatz unberührt. Um die laufenden Kosten des Einsatzes zu decken, sammelt die DGzRS projektbezogene Spenden unter www.seenotretter-imrf.de/spenden (Sonderkonto bei der Commerzbank Bremen: IBAN DE30 2908 0010 0100 2338 01, BIC DRESDEFF290).

 

Hinweis für Redaktionen

Foto- und Filmmaterial vom Einsatz in der Ägäis stellen wir Ihnen gern per Download-Link zur Verfügung. Bitte schreiben Sie uns dazu eine kurze E-Mail an presse@seenotretter.de.